Harninkontinenz bei Fußballspielerinnen
Harninkontinenz bei Fußballspielerinnen – ein Thema, über das kaum jemand spricht.
Die Ergebnisse der Harninkontinenz-Leistungssport-Fußball-Lebensqualität-Pilotstudie (HaLeFuL-Pilotstudie).
Harninkontinenz betrifft nicht nur ältere Menschen. Auch junge und vor allem sportlich aktive Frauen sind betroffen – und das häufiger, als man denkt.
Studien zeigen, dass Sportlerinnen je nach Sportart und Disziplin bis zu dreieinhalbmal häufiger unter ungewolltem Urinverlust leiden als Nicht-Sportlerinnen. Während die Häufigkeiten des unwillkürlichen Urinabgangs in einigen Sportarten wie im Turnen, Volleyball und Kraftsport recht gut untersucht wurden, fehlt es in anderen Sportarten, insbesondere des Fußballs an Forschung. Genauso wenig wurde untersucht welche Form der Harninkontinenz in Fußball vermehrt auftritt und welche Wirkung diese auf die Lebensqualität der Spielerinnen hat.
Über Beschwerden des unwillkürlichen Harnabgangs oder weiteren beckenbodenspezifischen Symptomen wird kaum gesprochen. Bei auftretenden Beschwerden sprechen die meisten Sportlerinnen weder mit Trainer*innen noch mit medizinischen Personal. Oft wird der unwillkürliche Urinverlust sogar als Teil des Sportes und als ganz „normal“ gewertet.
Du möchtest mehr über das Thema Harninkontinenz im Leistungssport erfahren? Dann lies dir gerne unseren Blogartikel "Harninkontinenz bei Leistungssportlerinnen" zu diesem Thema durch.
Die HaLeFuL-Studie
Aufgrund des fehlenden Wissens im Fußball wurde die HaLeFuL-Studie entwickelt und durchgeführt. Mittels dieser Studie wurden die folgende Forschungsfragen untersucht:
- wie häufig Harninkontinenz bei Fußballspielerinnen im deutschen Leistungssport vorkommt,
- welche Form am häufigsten auftritt und
- wie sich die Symptome auf die Lebensqualität der Sportlerinnen auswirken.
Außerdem wurde geprüft, ob ein Zusammenhang zwischen Kenntnissen über die Beckenbodenmuskulatur und der Häufigkeit von Beschwerden besteht.
Ziel der Studie war es, erste fundierte Einblicke in ein bislang wenig erforschtes Thema zu gewinnen. Die Ergebnisse sollten wichtige Anhaltspunkte für zukünftige Forschung liefern.
Insgesamt wurden 100 Fußballspielerinnen aus der 1. und 2. Bundesliga sowie der Regionalliga anonym und online befragt. Zur Umfrage wurden ein Anamnesebogen und drei etablierte, validierte Fragebögen verwendet.
Die Ergebnisse
Bei fast allen befragten Spielerinnen (97 %) wurden Symptome oder Auffälligkeiten im Bereich der Beckenbodenfunktion nachgewiesen.
Bei 9,57 % der Spielerinnen wurde eine Harninkontinenz festgestellt. Somit wird vermutet, dass die Harninkontinenz in der Stichprobe häufiger auftritt als in der Normalbevölkerung, die nicht im Leistungssport aktiv sind.
Interessanterweise trat in der Stichprobe die Dranginkontinenz (7,45 %) häufiger auf als die Stressinkontinenz (4,26 %) oder Mischinkontinenz (2,13 %). Aufgrund der High-Impact-Belastungen auf den Beckenboden im Fußball wurde zu Beginn der Studie davon ausgegangen, dass die Stressinkontinenz dominiert. Zu diesem Ergebnis kamen bereits auch einigen Studien, wobei zu diesem Thema Unstimmigkeiten in der Literatur zu finden waren.
Signifikante Unterschiede zwischen Ligen oder Spielpositionen zeigten sich nicht in allen Fällen, aber tendenziell berichteten Spielerinnen aus höheren Ligen häufiger über Beschwerden. Ein möglicher Grund hierfür kann die höhere Trainingsbelastung und vermehrte Krafttrainingseinheiten, welche ein Risiko für die Entwicklung von Harninkontinenz darstellt. Außerdem scheinen Spielerinnen aus dem Mittelfeld tendenziell ein höheres Risiko zu haben eine Harninkontinenz zu entwickeln. Diese Vermutung wurde bereits in vorherigen Arbeite geäußert.
Lebensqualität bleibt nicht unberührt
Anhand der Untersuchung der Lebensqualität kann vermutet werden, dass selbst milde Symptome zu spürbaren Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen können. Betroffene Fußballerinnen beschrieben diese Einschränkungen vor allem auf körperlicher Ebene. Eine Einschränkung im sozialen Leben wurde nicht festgestellt.
Kenntnis schützt (noch) nicht
In der Befragung verfügten circa ein Drittel der Befragten über Kenntnisse zur Beckenbodenmuskulatur. Allerdings konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Kenntnis und dem Auftreten von Symptomennachgewiesen werden.
Dies deutet darauf hin, dass Wissen allein nicht ausreicht. Es wird ein gezieltes praktisches Training und Aufklärung im sportlichen Kontext zur Prävention benötigt. Aufgrund dessen ist das Thema im Leistungssport so wichtig.
Was wir aus der Studie lernen können
Die HaLeFuL-Studie macht deutlich, dass
- Harninkontinenz bei Leistungssportlerinnen eine Rolle spielt.
- das Thema Harninkontinenz und Beckenboden kaum angesprochen wird, obwohl Beschwerden die Lebensqualität beeinflussen können.
- ein hoher Bedarf an Aufklärung, Prävention und gezielten Beckenbodentraining im Frauenfußball und im Sport allgemein besteht.
Was Trainer*innen und Vereine tun können
Thematisieren und Ansprechen: Spieler*innen sollten sich wohlfühlen, mit Fachpersonen aus dem Verein offen über dieses Thema sprechen zu können, um Scham zu vermeiden.
Fachkräfte einbeziehen: Beckenbodentherapeut*innen in die Betreuung miteinbeziehen.
Beckenbodentraining integrieren: Regelmäßiges Training kann Beschwerden nachweislich reduzieren.
Fazit
Die HaLeFuL-Pilotstudie liefert wertvolle erste Erkenntnisse zur Harninkontinenz im Frauenfußball und zeigt, dass das Thema mehr Sichtbarkeit benötigt. Sowohl vorherige Arbeiten als auch die HaLeFuL-Pilotstudie weisen darauf hin, dass selbst in der Sportwissenschaft grundlegende Kenntnisse über die Beckenbodenmuskulatur und präventive Maßnahmen fehlen. Angesichts der Tatsache, dass bereits milde Symptome sich negativ auf die Lebensqualität auswirken können, ist dieses Wissen von großer Bedeutung und sollte im Trainingsalltag von Leistungssportler*innen deutlich stärker berücksichtigt werden.
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Literatur:
Heinz, K. (2025). HaLeFuL – Pilotstudie zu Harninkontinenz im Leistungssport: Prävalenz, Formen und Einfluss auf die Lebensqualität bei Fußballspielerinnen. Masterarbeit, Deutsche Sporthochschule Köln.
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