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Pessare in der Beckenbodentherapie

Pessare in der Beckenbodentherapie – Für deinen Beckenboden in jedem Alter!

„Ein Pessar? Das ist doch was für alte Frauen." – Diesen Satz hören wir oft. Und er hält sich hartnäckig. Dabei ist ein Pessar eines der vielseitigsten und am besten erforschten Hilfsmittel in der konservativen Beckenbodentherapie – und gerade nach einer Schwangerschaft und Geburt sowie für sportlich aktive Frauen kann es ein echter Gamechanger sein.

Wir bieten die professionelle Pessaranpassung direkt bei uns in der Praxis in Köln-Ehrenfeld an – durchgeführt von spezialisierten Physiotherapeutinnen, im Anschluss an einen Bauch- und Beckenboden Check-up. In diesem Artikel erfährst du, was ein Pessar eigentlich ist, wann es sinnvoll sein kann, was die aktuelle Forschung dazu sagt – und wie eine Anpassung bei uns abläuft.

Was ist ein Pessar überhaupt?

Ein Pessar ist ein kleines, weiches Hilfsmittel aus medizinischem Silikon, das in die Vagina eingesetzt wird. Dort stützt es von innen die Beckenorgane (Blase, Gebärmutter, Enddarm) und das umliegende Gewebe. Pessare gibt es in vielen Formen und Größen – zum Beispiel als Ring, Schale, Würfel oder mit einem zusätzlichen Knopf zur Unterstützung der Harnröhre.

Man unterscheidet grob zwei Wirkprinzipien:

  • Stützende Pessare (z. B. Ring, Schale): Sie heben und stützen abgesunkene Beckenorgane.
  • Raumfüllende Pessare (z. B. Würfel, Gellhorn): Sie kommen bei ausgeprägteren Senkungen zum Einsatz.

Das Schöne daran: Ein Pessar ist nicht-invasiv, gut verträglich und – bei korrekter Anpassung – im Alltag meist kaum spürbar. Ein gut sitzendes Pessar erlaubt dir in der Regel die volle Bandbreite an Bewegung und Sport.

Pessare in der Beckenbodentherapie sind nicht „nur für alte Frauen"

Woher kommt eigentlich das Klischee? Pessare wurden lange vor allem in der Gynäkologie bei ausgeprägten Senkungen im höheren Alter eingesetzt – häufig als Alternative zur Operation. Dieses Bild hält sich bis heute.

Die Realität sieht anders aus. Beckenbodenbeschwerden betreffen Frauen in jeder Lebensphase – und besonders häufig nach einer Geburt. In der Fachwelt setzt sich deshalb zunehmend der Gedanke durch, das Pessar früher und nicht erst als „letztes Mittel" einzusetzen. Es ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein cleveres, evidenzbasiertes Werkzeug – gerade für junge, aktive Frauen.

Pessare nach der Geburt (postpartum): Entlastung in der sensiblen Rückbildungsphase

Während Schwangerschaft und Geburt leisten dein Beckenboden, dein Bindegewebe und deine Bänder Enormes. Sie werden stark gedehnt und brauchen danach Zeit, um sich zurückzubilden. Genau in dieser Phase kann ein Pessar unterstützen.

Die Idee dahinter: Das Pessar entlastet das überdehnte Gewebe, indem es die Beckenorgane in dieser empfindlichen Zeit von innen stützt. Das nimmt Druck von den Strukturen, die sich gerade erholen – ähnlich wie eine Bandage ein verletztes Gelenk in der Heilungsphase entlastet.

Was sagt die Forschung dazu?

Eine prospektive Multicenter-Studie zur postpartalen Pessar-Anwendung beobachtete, dass Frauen, die in den ersten Monaten nach der Geburt ein Pessar nutzten, Symptome wie Senkungsgefühl, Harninkontinenz und eine überaktive Blase reduzierten. Zwischen der 6. Woche und 12 Monaten nach der Geburt verbesserte sich die Beckenbodenfunktion bei den Pessar-Nutzerinnen stärker als bei Frauen ohne Pessar.

Klinische Fachgesellschaften und spezialisierte Beckenboden-Therapeut:innen beschreiben das Pessar postpartum als temporäre Unterstützung während des Geweberemodellings – also der natürlichen Umbau- und Erholungsprozesse von Faszien, Bändern und Bindegewebe nach der Geburt.

Die Forschung zu Pessaren speziell in der frühen Phase nach der Geburt ist vielversprechend, aber noch jung. Die aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass für diesen Zeitraum noch größere Studien nötig sind, um die Effekte sicher zu belegen. Ein Pessar „regeneriert" das Gewebe also nicht auf Knopfdruck – aber es entlastet und stützt dich in genau der Phase, in der dein Körper sich erholt, und kann dir ermöglichen, früher wieder schmerzfrei und sicher in Bewegung zu kommen.

 

Pessare in der Beckenbodentherapie für sportliche Frauen: Stabilität, wenn es drauf ankommt

Du läufst, springst, hebst Gewichte oder bist nach der Geburt wieder im Mannschaftssport unterwegs? Dann ist das hier für dich.

High-Impact-Belastungen wie Laufen, Springen oder Sprinten erzeugen einen erheblichen Druck im Bauchraum, der auf den Beckenboden wirkt. Bei vielen Frauen – besonders postpartum – führt das zu ungewolltem Urinverlust (Belastungsinkontinenz) oder einem Schwere- bzw. Senkungsgefühl. Studien zeigen, dass Sportlerinnen häufiger betroffen sind als Nicht-Sportlerinnen, und dass schon eine einzelne Laufeinheit die passiven Stützstrukturen des Beckenbodens vorübergehend belastet.

Hier kann ein Pessar konkret helfen: Es gibt dem Beckenboden während der Belastung zusätzliche Stabilität von innen. Übersichtsarbeiten zum Thema Beckenboden und Sport beschreiben, dass unterstützende Hilfsmittel wie Pessare den ungewollten Urinverlust bei High-Impact-Aktivität deutlich reduzieren können. Das bedeutet für dich: Du musst Sport nicht aufgeben oder dich beim Training zurückhalten, nur weil dein Beckenboden gerade noch nicht wieder bei 100 % ist.

Ein Pessar ersetzt dabei kein Beckenbodentraining – sondern ergänzt es ideal. Gerade die Kombination aus gezieltem Training und temporärer Unterstützung bringt dich sicher zurück in deinen Sport (Stichwort: Return to Sports).

> Du willst tiefer ins Thema Sport und Beckenboden einsteigen? Lies auch unseren Artikel „Harninkontinenz bei Fußballspielerinnen".

 

Pessare in der Beckenbodentherapie bei Senkungsbeschwerden

Eine der häufigsten Anwendungen – und am besten erforscht. Bei einer Senkung (Prolaps) sinken Beckenorgane wie Blase oder Gebärmutter Richtung Vulva ab. Das kann sich als Druck- oder Fremdkörpergefühl, als „etwas, das herauskommt", oder durch Probleme beim Wasserlassen bemerkbar machen. Senkungen sind nach Schwangerschaft und Geburt besonders häufig.

Für die Behandlung von Senkungen mit Pessaren gibt es eine wachsende und gute Evidenz:

Pessare gehören laut der Cochrane-Übersichtsarbeit zu den etablierten konservativen Behandlungsoptionen bei Senkungsbeschwerden.

Die große britische TOPSY-Studie (randomisiert-kontrolliert) zeigte, dass die Versorgung mit einem Pessar wirksam und kosteneffektiv ist und die Lebensqualität erhält – und dass Frauen ihr Pessar gut selbst managen können.

Gerade postpartum kann ein Pessar das Senkungsgefühl spürbar lindern und dir Sicherheit im Alltag mit Baby zurückgeben – beim Tragen, Heben und Bewegen.

So läuft die Pessaranpassung bei uns in Köln ab

Bei uns ist die Pessaranpassung in die Physiotherapie eingebettet und folgt einem klaren, sicheren Ablauf:

1. Zuerst der Check-up
Einer Pessaranpassung geht bei uns immer ein Bauch- und Beckenboden Check-up voraus. So stellen wir sicher, dass ein Pessar für dich die richtige Wahl ist und eine passende Indikation vorliegt.

2. Voraussetzungen klären
Für eine Anpassung brauchen wir:

  • einen bereits durchgeführten Beckenboden-Check-up bei uns,
  • eine passende Indikation für ein Pessar,
  • eine gesunde Vaginalschleimhaut.

Die Schleimhaut wird idealerweise schon beim Check-up beurteilt. In manchen Fällen ist zunächst eine Behandlung der Schleimhaut sinnvoll – das erfolgt über deine Gynäkologin bzw. deinen Gynäkologen. Anschließend kann die Anpassung stattfinden.

3. Die individuelle Anpassung (ca. 50 Minuten)
Gemeinsam probieren wir verschiedene Pessare in unterschiedlichen Formen und Größen aus, um die für dich passende Versorgung zu finden. Damit wir beurteilen können, wie gut das Pessar im Alltag sitzt, testen wir es direkt unter Belastung – mit Bewegungen wie:

  • Gehen
  • Treppensteigen
  • Hüpfen oder Springen
  • Rennen
  • Heben und Tragen

Außerdem prüfen wir, ob du mit eingesetztem Pessar deine Blase gut und vollständig entleeren kannst.

4. Der Kontrolltermin (ca. 20 Minuten)
Wir überprüfen Sitz und Verträglichkeit, damit sich dein Pessar sicher, komfortabel und alltagstauglich anfühlt.

Unser Ziel ist immer dasselbe: gemeinsam ein Pessar zu finden, mit dem du dich rundum wohlfühlst – und das dich in deinem Leben, deinem Alltag und deinem Sport unterstützt.

Was kostet die Pessaranpassung?

Die Pessaranpassung inklusive Kontrolltermin kostet 180,00 €. Die Termine kannst du bequem über Doctolib buchen. Alle Infos findest du auf unserer Angebotsseite zur Pessaranpassung.

Unser Fazit

Pessare sind weit mehr als ein Hilfsmittel „für alte Frauen". Sie sind ein vielseitiges, gut verträgliches und zunehmend gut erforschtes Werkzeug der konservativen Beckenbodentherapie – das gerade postpartum und für sportlich aktive Frauen seine Stärken ausspielt:

  • Bei Senkungsbeschwerden bieten sie etablierte, evidenzbasierte Unterstützung.
  • Nach der Geburt entlasten sie das beanspruchte Gewebe in der sensiblen Rückbildungsphase und können die Erholung der Beckenbodenfunktion unterstützen.
  • Beim Sport geben sie zusätzliche Stabilität und können ungewollten Urinverlust bei High-Impact-Belastung reduzieren.

Ein Pessar ersetzt kein Beckenbodentraining – aber es ergänzt es ideal. Wenn du wissen möchtest, ob ein Pessar für dich sinnvoll ist, ist der erste Schritt immer unser Bauch- und Beckenboden Check-up.

Deine Expertinnen für Beckenbodentherapie in Köln

Du möchtest wissen, ob ein Pessar für dich infrage kommt? Unsere spezialisierten Physiotherapeutinnen begleiten dich kompetent und einfühlsam – von der ersten Einschätzung beim Check-up bis zur individuellen Anpassung.

Mehr zur Pessaranpassung in Köln.

Jetzt zum Bauch- und Beckenboden Check-up.

Zur Terminvereinbarung erreichst du uns per E-Mail an praxis@leben-bewegt.de oder buchst direkt über Doctolib in unserer Praxis in Köln-Ehrenfeld. Wir freuen uns auf dich!

Literatur

Prospektive Multicenter-Studie zur postpartalen Pessar-Anwendung (Restifem®): Evaluating compliance and applicability of postpartum pessary use for preventing and treating pelvic floor dysfunction: a prospective multicenter study. Arch Gynecol Obstet. 2023;308(2):651–659. doi:10.1007/s00404-023-07075-9.

Bugge C, Adams EJ, Gopinath D, et al. Pessaries (mechanical devices) for managing pelvic organ prolapse in women. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2020. doi:10.1002/14651858.CD004010.pub4

Übersichtsarbeit zu Belastungsinkontinenz und Sport: How to balance the treatment of stress urinary incontinence among female athletes? Archives of Medical Science. 2020.

Klinischer Praxisleitfaden zur evidenzbasierten Pessar-Anwendung in der Beckenbodengesundheit (postpartale Unterstützung während des Geweberemodellings), Herman & Wallace Pelvic Rehabilitation, 2025.

Hagen S, Bugge C, Dean S, et al. Clinical effectiveness of vaginal pessary self-management vs clinic-based care for pelvic organ prolapse (TOPSY): a randomised controlled superiority trial. eClinicalMedicine. 2023;66:102326. doi:10.1016/j.eclinm.2023.102326

30 Juni

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